Projekt

Muschelseide ist der gereinigte und gekämmte Faserbart der Edlen Steckmuschel (Pinna nobilis L.)
Muschelseide ist der gereinigte und gekämmte Faserbart der Edlen Steckmuschel (Pinna nobilis L.)
Die Muschelseide hat alles, was fasziniert und die Phantasie anregt: Sie glänzt im Sonnenlicht wie Gold, kommt aus dem Meer, ist selten und kostbar - und ihre Geschichte reicht bis in die Antike. Ein Thema für Mythen und Legenden. Jede Zeit pflegt ihre eigenen und schafft neue. Was war, was ist die Muschelseide wirklich?

In der Textilgeschichte bildet die Muschelseide nur ein winziges Kapitel. Bis vor kurzem kaum erforscht, drohte das Wissen um Gewinnung und Verarbeitung der Muschelseide als Kulturgut auszusterben.


Sardinien und Tarent in Apulien waren noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Zentren der Muschelseideverarbeitung. Sie sind auch heute wieder von Bedeutung, wo es darum geht, das Wissen um das alte Handwerk an neue Generationen weiterzugeben – auch wenn daraus, da die Muschel unter Schutz steht, wohl kaum mehr ein Erwerbszweig entstehen wird.

Daniel McKinley, amerikanischer Biologe und Wissenschaftshistoriker, publizierte 1998 die erste umfassende Monographie, eine kritische Auseinandersetzung mit den historischen Quellen: ein Standardwerk.


 
 
Im gleichen Jahr - und ohne voneinander zu wissen - startete am Naturhistorischen Museum Basel das Projekt Muschelseide mit den folgenden drei Projektzielen:
  1. Erstellen eines Inventars aller noch existierenden Objekte aus Muschelseide,
  2. Erforschen der Geschichte der Muschelseide und deren Gewinnung und Verarbeitung,
  3. Dokumentation der noch vorhandenen Zeugnisse des praktisch ausgestorbenen Handwerks.


Der Katalog zur Ausstellung 2004 in Basel: Muschelseide - Goldene Fäden vom Meeresgrund / Bisso marino - Fili d'oro dal fondo del mare. Maeder F., A. Hänggi & D. Wunderlin (eds.) Milano: 5 Continents Editions, 2004, 128 p. CHF 39.-/€ 25.-.   Zu beziehen über Naturhistorisches Museum Basel: nmb@bs.ch
Der Katalog zur Ausstellung 2004 in Basel: Muschelseide - Goldene Fäden vom Meeresgrund / Bisso marino - Fili d'oro dal fondo del mare. Maeder F., A. Hänggi & D. Wunderlin (eds.) Milano: 5 Continents Editions, 2004, 128 p. CHF 39.-/€ 25.-.

Zu beziehen über Naturhistorisches Museum Basel: nmb@bs.ch
Die weltweit erste thematische Ausstellung fand 2004 im Naturhistorischen Museum Basel statt: «Muschelseide - Goldene vom Fäden vom Meeresgrund / Bisso Marino – fili d’oro dal fondo del mare», in Zusammenarbeit mit dem Museum der Kulturen Basel. Mehr als 20 Muschelseideobjekte aus europäischen und US-amerikanischen Sammlungen konnten hier zum ersten Mal gemeinsam gezeigt werden. Der Katalog der Ausstellung ist die erste illustrierte Monographie und - wie alle Texte der Ausstellung - komplett zweisprachig, in Deutsch und Italienisch geschrieben.

Als Wanderausstellung ging sie 2006 nach Taranto und Lecce (Apulien). 2008/2009 schliesslich wurde eine erweiterte Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museo cantonale di storia naturale in Lugano gezeigt.

Das Inventar umfasst heute über 60 Objekte. An mehreren Textilkongressen und öffentlichen Veranstaltungen im In- und Ausland konnte das Projekt Muschelseide vorgestellt und damit die Aufmerksamkeit von Fachleuten und textilen Institutionen geweckt werden; daraus entstanden Publikationen in Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch.

Mit dem Internet ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Recherche, da viele Bücher aus der für das Thema wichtigen Periode des 16. bis 19. Jahrhunderts zugänglich sind. In einem täglich wachsenden Bücherbestand kann nun erstmals nach Stichworten und Wortverbindungen gesucht werden. Daraus ergibt sich ein eigentliches «work in progress». Eine Projekt-Homepage mit all ihren Vernetzungsmöglichkeiten ist dafür das sinnvollste Medium. Es gibt noch viel zu tun.


Felicitas Maeder, Projekt Muschelseide
Naturhistorisches Museum, CH-4001 Basel
e-mail: felicitas.maeder (at) muschelseide.ch